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Evolutionsbiologie: Weniger ist manchmal mehr

Auszug aus der Pressemeldung der Universit├Ąt Leipzig, Nummer: 2010/160 vom 16.06.2010

Evolutionsbiologie: Weniger ist manchmal mehr

Neue Forschungsergebnisse der Medizinischen Fakultät Leipzig erweitern die Sichtweise auf evolutionäre Prozesse. Demnach ist Evolution nicht mehr nur als eine Verbesserung des Genpools durch ein Mehr an Funktionen zu verstehen. Auch der Verlust von ursprünglich nützlichen Genen stellt sich als wichtiger Schritt auch in der Evolution zum Menschen dar. Dafür haben Leipziger Forscher nun einen seltenen Beleg gefunden.

Herkömmlich verbindet man die Evolution von Spezies mit dem Zugewinn oder der Veränderung von Protein- und Genfunktionen. Der Sequenzvergleich der Genome des Menschen mit denen des Neandertalers, vieler Primaten und andere Säugetieren hatte diese Annahme in den vergangenen Jahren verfestigt. Es gibt jedoch auch einige Hinweise, dass bei der evolutionären Auswahl Gene und ihre Funktion komplett verloren gehen können. In solchen Fällen ist die Funktion des Gens nicht mehr notwendig oder wird durch andere Faktoren kompensiert. Beispiel Sonnenschutz: Mit der Auswanderung des Menschen von Afrika in nördliche Breitengrade hat sich die starke Hautpigmentierung verändert.

Wissenschaftler aus der Gruppe um Torsten Schöneberg und Claudia Stäubert, beide angesiedelt am Institut für Biochemie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Wolfgang Enard (MPI für Evolutionäre Anthropologie) beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit Genen, die inaktiviert, wissenschaftlich gesprochen pseudogenisiert wurden. Dabei stießen sie auf eine ganze Gruppe von Genen, die zwar für Zelloberflächenrezeptoren kodieren, im Menschen aber so gut wie nicht mehr funktionsfähig sind. Eingehende Analysen erbrachten Hinweise, dass die Stilllegung dieser Rezeptoren nicht nur stattgefunden haben kann, weil sie überflüssig wurden, sondern dass sie aktiv abgeschaltet wurden, weil Individuen in der frühen Menschenaffenentwicklung ohne diese Rezeptoren wahrscheinlich einen evolutionären Vorteil hatten.

Quelle: Universität Leipzig

Die vollständige Pressemeldung mit weiteren Informationen können Sie hier abrufen.

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